
Abends beim Eindunkeln in einem Café sitzen und die Fähre einlaufen
sehen. Fernweh und Nichtwegwollen. Es gibt nicht so viele Cafés bei
denen man im Winter direkt am Meer sitzen kann. Also nütze ich es aus,
wann immer ich dazu komme.
Mit dem Velo in jede Richtung fahren und immer auf das Meer stossen. Im
Inneren der Insel sein und das Meer nicht mehr sehen. Bis es dann
doch wieder irgendwo auftaucht, ein kleiner Zipfel zwischen den Bergen,
irgendwo am Horizont.
Am Strand stehen und nach Paros rüber schauen. So weit ist das gar nicht,
sieht aus, als ob man da auch schwimmend hin käme. (Warnung: Nicht
probieren!) Vielleicht haben sich die Leute in der Steinzeit das auch
gedacht. Nur, zur letzten Eiszeit konnte man da rüber auch laufen, Paros
und Naxos waren als Landeinheit verbunden. Aber immer noch eine Insel.

Ansonsten kommt man nicht immer einfach so von einer Insel weg. Aus
einer gewöhnlichen Stadt kann man wenn gar nichts mehr geht auch einfach
weg laufen. Hier gibt es nur Schiffe oder Flugzeuge. Wenn das Wetter
nicht mitspielt ... Sturm, zu viel Wind ... dann geht die Fähre nicht.
So mancher Tourist hat schon das schöne griechische Wort "Απαγορευτικό"
gelernt. "Apagorevtiko", mit Worstamm "verboten" und Betonung auf der
letzten Silbe, das bedeutet, dass es Schiffen verboten ist, auszulaufen.
Manchmal ist auch Streik, dann geht die Fähre auch nicht mehr.
Ja, auch wenn der Tourist dann in Athen seinen Flug verpasst, und auch
wenn die Touristin im Hotel schon kein Zimmer mehr hat. Die windige
Natur ist da relativ uninteressiert. Die Streikenden sowieso. Der Mensch
in der Travel Agency kann nur traurig lächeln und mit den Schultern
zucken.
Die Flugzeuge fliegen auch mit sehr viel Wind, bis zu einem Punkt. Aber
sie sind klein, da sind die Tickets schnell ausverkauft, vor allem wenn
die Fähre nicht geht. Und wenn es neblig ist in Athen, dann fliegen sie
auch nicht.
Und warum überhaupt weg fahren von der Insel? Früher bin ich immer hier
geblieben weil ich nichts verpassen wollte. Den Frühling nicht, weil
der Frühling hier so schön ist, wenn alles wild blüht. Und der Frühling
ist überhaupt die beste Zeit um Velo zu fahren. Den Sommer wollte ich
nicht verpassen, weil es warm ist und man schwimmen gehen kann. Bis es
irgendwann zu voll wurde und mir der Sommer egal wurde. Den Herbst, weil
er noch besser als der Sommer ist, nicht mehr so warm, dafür viel
ruhiger. Und genauso geeignet, um Velo zu fahren. Und im Winter wollte
ich sowieso nicht weg, weil alles grün ist, weil es wunderschön regnet.
Über den Regen kann man sich richtig freuen, denn den brauchen wir und
nach ein paar Monaten so ganz ohne Regen lernt man den auch schätzen.
Und überhaupt ist es im Winter nicht so kalt wie anderswo. Und man kann
Velo fahren.
Einmal war ich drei Jahre hier ohne wegzufahren, mit Ausnahme eines
Tagesausflugs nach Paros. Das war dann schon etwas zu lang nur auf der
Insel.